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Es sind die berühmtesten, teuersten – und
wohl auch glücklichsten Hühner der Welt: Poulet, Poularde und Chapon
de Bresse. Der Mann, der wie kein anderer dafür gesorgt hat, dass der
französische Staat dieses edle Geflügel mit einer AOC (Appellation
d’Origine Contrôlée) schützt, wie sie sonst nur für die gallischen
Nationalheiligtümer Käse und Wein erlassen wurde, heißt Jean-Claude
Mieral. Gemeinsam mit Paul Bocuse und Alain Chapel sorgte er für die
Renaissance dieses Geflügels in der französischen Top-Gastronomie. Dem
Verein der Köche Hannovers war es gelungen, den „König der Bresse“
einzuladen.
Robert Schmitz
(1. Vorsitzender) und Gerhard Dammert (Ehrenvorsitzender) hatten zu
einem exklusiven „Chefs-Table“ in Heinrich Sterns „Georgenhof“
eingeladen. Rund 30 Kollegen waren gekommen, dazu als Gäste der frisch
gekürte „Koch des Jahres 2004“ (Gault Millau), Sven Elverfeld,
Restaurant Aqua, The Ritz-Carlton, Wolfsburg, der Eigentümer des
Elsässer Spezialitätenhandels für die Gastronomie, Hubert Spiegel,
Selestat, und der hannoversche Gastro-Journalist Jan Brinkmann.
Heinrich Stern
hatte eine Auswahl des Geflügels aus der Bresse zur Kostprobe
vorbereitet – so pur wie möglich, um die spezielle Struktur, den
Geschmack und das Erscheinungsbild von Bresse-Huhn, Ente und Taube
klar werden zu lassen.
Jan Brinkmann,
der Mieral und seine Produkte seit Jahren kennt, nannte einige
„Eckdaten“ des Bresse-Geflügels:
Die Rasse
(mediterran) ist seit mindestens 500 Jahren bekannt. Die Hühner haben
blaue Stelzen, weißes Gefieder und einen leuchtend roten Schopf (die
Nationalfarben Frankreichs, das dieser „gallische Hahn“ ja auch
repräsentiert). Ein Institut des „Comité Interprofessionel de la
Volaille de Bresse“ in Louhans sorgt mit großem Aufwand (Gen-Labor,
etc.) dafür, dass sich die Rasse nicht verändert, also auch auf keinen
Fall etwa das Futter „besser“ verwertet oder schneller schlachtreif
wird.
Ein Tagesküken, das die Züchter nur von dem Institut beziehen können,
kostet bereits mehr als der Erlös eines Massenproduzenten für sein
Batterie-Huhn in Deutschland – ca. 1 Euro. „Sexierte“ Hähnchen, die
zum Kapaun bestimmt sind, kosten bis zu 4 Euro.
Die AOC
schreibt die Aufzucht folgendermaßen vor: Im Alter von drei bis vier
Wochen kommen die Hühner auf die Wiese. Sie werden morgens und abends
mit einem Gemisch aus Mais und Milch gefüttert.
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Jeder Züchter muss eigene Maisfelder
entsprechend der Anzahl seiner Hühner haben; viele halten auch eigene
Kühe für das Geflügel. Jedem Huhn stehen pro Kopf 10 Quadratmeter
Wiese zu (deutsches Kinderzimmer).
Während
der letzten drei Wochen werden die Tiere in speziellen, großen Käfigen
in äußerster Ruhe (Stress-frei) gemästet. Sie werden schonend
geschlachtet, trocken gerupft und vom Enddarm befreit – dies macht sie
lagerfähig. Nach der Aufzuchtperiode von vier Monaten muss dem
Wiesengelände zwei Monate Zeit zur Regeneration gewährt werden.
Brinkmann
berichtete, dass die beste Züchterin der Bresse, Madame Sibell, bei
dem alljährlich vor Weihnachten in Bourg, Pont-de-Vaux, Montrevel und
Louhans stattfindenden „Concours Glorieuses“, regelmäßig so viele
Pokale gewinnt, dass sie – wie ein Michael Schuhmacher der
Hühnerzüchter – einen eigenen großen Raum für die Auszeichnungen,
viele unterschrieben vom französischen Staatspräsidenten, einrichten
musste.
Bei diesen
Wettbewerben beurteilt die Jury jährlich rund 750 anonym eingereichte
Tiere. Sie werden einzeln, als Paar (Poulet et Poularde), als Doppel,
Triple oder als „lot de 4 chapons“ bewertet.
„Lot de 4
chapons“ , das sind vier jener riesigen Kapaune, die im Alter von
sieben oder acht Monaten ein Schlachtgewicht von vielen Kilogramm
haben. Sie werden nach der Schlachtung fest in ein Leinentuch
eingewickelt; während der Reifezeit von vier Wochen wird dadurch das
unter der Haut sitzende Fett ins Fleisch transportiert. Einer dieser
Kapaune kostet im Einzelhandel dann rund 200 Euro.
Jean-Claude
Mieral, der seine 1909 gegründete Firma (30 Angestellte, eigenes
Schlachthaus und Spedition) in vierter Generation führt, berichtete
von Schwierigkeiten, Züchter wie die Sibells zu gewinnen, um die
sehr aufwendige und viel Sensibilität erfordernde Produktion
aufrecht zu halten. Ohnehin kann die Bresse nur einen kleinen Teil
der weltweiten Nachfrage erfüllen; Versuche, diese Hühner außerhalb
der Bresse aufzuziehen, sind nämlich all mehr oder weniger kläglich
gescheitert.
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Dies dürfte am Mikroklima der Landschaft
zwischen Saone und Jura liegen; die Böden über einem ausgetrockneten
Urmeer tragen eine spezifische Vegetation.
So verwundert es nicht, dass Spitzenprodukte aus der Bresse
kontingentiert werden. Einige der besten der gastronomischen
Betriebe in Hannover und Niedersachsen haben schon seit Jahren das
Glück, dass sie von der „Societe d’Exploitation Spiegel Hubert“ aus
Selestat mit Mieral-Produkten beliefert werden. Spiegel, der früher
als Produzent von Gänsestopfleber mit der Elsässer und süddeutschen
Spitzengastronomie (Haeberlin, Wohlfahrt, Witzigmann, etc.) in
Geschäftsbeziehungen getreten war, baute vor mehr als einem
Jahrzehnt die Verbindung mit Mieral auf und hatte während dieser
Zeit fast immer das exklusive Vertriebsrecht für Deutschland inne.
Nach
Hannover ist er durch die Vermittlung des Journalisten Brinkmann
gekommen, dem es „ein Herzensbedürfnis“ gewesen war, befreundeten
Gastronomen zu dem bestmöglichen Material zu verhelfen („weil man
davon als Gast unmittelbar profitiert!“). Die Firma liefert heute
wöchentlich ein umfangreiches Angebot von Geflügel, Stopfleber,
Lammspezialitäten wie Pauillac oder Pyrenäenmilchlamm, Käse,
Fruchtmarks, Essige und Öle aus der burgundischen Ölmühle Leblanc
und so weiter an Betriebe der niedersächsischen Gastronomie – wie
etwa an
Sven Elverfelds
„Aqua“ (das 2003 vom Feinschmecker zum „Restaurant des Jahres“
gewählt worden war).
Elverfeld,
der an diesem Abend auch sein gemeinsam mit Jan Brinkmann verfasste,
im hannoverschen Landbuchverlag erschienenes Buch „Aqua – Küche der
Gefühle“ vorstellte, berichtete im Kollegenkreis über
küchentechnische Besonderheiten im Umgang mit dem Bresse-Geflügel.
Wichtigster
Punkt: Mindestens zwei Wochen Reifezeit braucht das ernorm
feinfaserige, sehr feste Fleisch. Es muss also in gut belüfteten
Kühlräumen und mit ausreichend Abstand voneinander abhängen – auch
dies ein Faktor, der die Exklusivität (Kilopreise von ca. 25 Euro!)
determiniert.
Heinrich
Stern, dessen Serviceteam sich an diesem Abend eine Bestnote
verdiente, wusste angesichts solcher Dimensionen Trost: „Die zweite
Qualität von Mieral, „Prince de Dombes“, kostet nur ein Bruchteil –
und ist immer noch von heraus ragender Qualität!“ |